The Night Guy

Mai 14th, 2012

Ich bin mir nicht so sicher, ob ich diesen Eintrag wirklich schreiben soll. Und noch weniger, ob ich ihn veröffentlichen soll. Es ist in gewisser Hinsicht das Portrait eines meiner Kollegen bzw. genauer gesagt des anderen Nachtportiers hier im Hostel. Und ich weiss, dass er, wenn er jemals rausfinden würde, dass ich dies geschrieben habe, nur noch eins zu mir zu sagen hätte: “I’ll kill you!” Was allerdings, sollte man fairerweise erwähnen, er auch so ziemlich häufig zu mir und ungezählten anderen Leuten sagt. Immer mit einer komisch hohen Pieps-Stimme. Keine Ahnung was es damit auf sich hat. Auf jeden Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass er es dann erst meinen würde. Aber ich schreibe dies trotzdem, denn auch wenn es auf den ersten Blick wie eine Offenlegung seines Charakters wirkt, so offenbart dieser Text doch eigentlich viel mehr über mich. Man muss nur vielleicht ein bisschen zwischen den Zeilen lesen.

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Kein Privatleben

Mai 9th, 2012

Die erste Sache, die ich zurzeit morgens, bzw. nach dem Aufstehen am mehr oder weniger frühen Nachmittag, mache, ist Joggen zu gehen. Es wirkt wahre Wunder wenn es darum geht, wach zu werden. Nach viel zu wenig Schlaf macht es einen neuen Menschen aus mir, der bereit ist den neuen Tag bzw. die neue Nacht in Angriff zu nehmen. Und wenn ich laufen gehe, dann führt mein Weg natürlich an der Rezeption vorbei. Geht auch nicht anders, wenn man an seinem Arbeitsplatz lebt. Und da gehen dann die Probleme los.

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20 Minuten

Mai 8th, 2012

Mal ganz abgesehen davon, welche persönlichen Ziele ich hier in Australien verfolge, offiziell bin ich hier als Tourist. Natürlich darf ich auch arbeiten, aber die Arbeit soll nur dazu dienen, das Reisen zu finanzieren. Und damit bin ich ja auch automatisch “Backpacker”, Rucksacktourist, denn schließlich sind die Hostels, die Jugendherbergen, die günstigsten Unterkünfte und erlauben einem damit, die Reisen länger zu strecken. Ich sollte mich also den Gästen in diesem Hostel, wo ich arbeite, sehr verbunden fühlen. Sie sind wie ich, meine Sorte Menschen, andere Reisende die ganz eigene Ziele (die selten sonderlich originell sind) mit ihrem Aufenthalt in Australien verwirklichen wollen. Aber so einfach ist das dann doch nicht, denn gleichzeitig bin ich ja nun hier festangestellt und habe mit meiner 40-Stunden-Woche (vom Nebenjob dazu ganz zu schweigen) ein ganz anderes Leben als die meisten Gäste hier. Und so hat sich meine Einstellung gewandelt und ich fühle mich nicht mehr den anderen Backpackern nahe, sondern eher der arbeitenden Masse.

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Routine kommt, bevor man sie bemerkt

Mai 7th, 2012

Ich kann es selber kaum glauben. Am Samstag war es sechs Wochen her, dass ich angefangen habe, in diesem Hostel als Nachtportier zu arbeiten. Beziehungsweise: an dem Tag hat mein Training begonnen – bei der eigentlichen Arbeit werde ich erst heute Nacht mein sechswöchiges Jubiläum feiern können. Aber auch so ist schon einiges an Zeit ins Land gegangen und dieses ach so andere Leben ist schon wieder – fast unbemerkt – zur Routine geworden.

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Australischer Fußball

Mai 6th, 2012

Ich habe in den letzten Wochen eine neue Theorie entwickelt. Ich vermute mal, dass sie nicht sonderlich originell ist und eigentlich auch nicht neu, da sie andere vorher schon aufgestellt und vielleicht sogar bewiesen oder widerlegt haben, aber für mich stellt sie einen neuen Gedankengang dar und hat meine Überlegungen über Australien, die Gesellschaft und die Welt generell in ganz neue Bahnen gelenkt. Und die Theorie ist folgende: wenn Du etwas über die Menschen eines Landes erfahren willst, dann schau Dir ihren Volkssport an. Die Kultur einer Region spiegelt sich im Sport wider.

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Verlängerung

Mai 1st, 2012

Der Titel deutet es schon an. Es hat eine Entscheidung gegeben und es war die offensichtliche.

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Zwischenbericht

April 28th, 2012

Es ist bei diesem Job ganz schön schwer, mal mit den Managern zu sprechen, um seine Konditionen für eine Vertragsverlängerung vorzulegen. Was für Konditionen? Nun die, zu denen die meisten treuen Leser mir in der Umfrage (siehe rechts) geraten haben und zu denen ich auch selber tendiere – Vertragsverlängerung nur, wenn ich auch weiter kostenlos hier wohnen kann. Heute habe ich dann endlich mit jemaden sprechen können und jetzt sieht es so aus:

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Ein Dilemma

April 23rd, 2012

Seit etwas mehr als vier Wochen arbeite ich jetzt als “night supervisor” in Melbourne im Hostel. Und da mein Vertrag auf sechs Wochen ausgelegt war, stehe ich jetzt vor der schweren Frage, wie es weitergeht. Heute morgen haben sie mir eine Verlängerung des Vertrags angeboten – noch einmal sechs Wochen. Und seitdem, schlafend und wach, überlege ich, ob ich das Angebot annehmen soll.

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Guter Freitag

April 6th, 2012

Heute ist Karfreitag. Der zweitwichtigste Feiertag der christlichen Kirchen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Im Englischen heißt Karfreitag “Good Friday”. Ich habe nie so recht verstanden warum. Weshalb nennen die Kirchenväter den Tag an dem ihr Heiland gekreuzigt wurde gut? Aber wie dem auch sei, darum geht es gar nicht. Und auch nicht darum, dass ich heute morgen bei der Übergabe an die nächste Schicht meinen Kollegen “have a good Friday” gewünscht habe. (Ja, ich bin so lustig, dass ich mich selber manchmal vor Lachen nicht einkriege.) Viel mehr geht es einfach darum, warum heute ein guter (Frei-)Tag ist.

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Ein ganz neues Leben, die Dreiundzwanzigste!

April 3rd, 2012

Zugegeben, es ist vielleicht (noch) nicht die dreiundzwanzigste Aufnahme dieser Szene, aber es ist auf jeden Fall mal wieder eine Umstellung und ein Neubeginn und eine Chance. Und es ist auch wirklich ein ganz neues und anderes Leben, auch wenn der Film immer noch in Melbourne spielt und die meisten Protagonisten auch noch dabei sind. Der Unterschied ist nur: ich habe einen Job. So einen richtigen, mit Vollzeitbeschäftigung, Urlaub, offizieller Einarbeitung und vor allem Bezahlung. Mit anderen Worten: all das, wonach ich seit Monaten (mehr oder weniger aktiv) gesucht habe.

Ja, wie konnte das passieren? Und vor allem: was für ein Job ist es denn nun bitte eigentlich endlich? Berechtigte Fragen, die ich nun versuchen werde kurz und knapp zu beantworten. Wer diesen Blog schon etwas länger liest, weiß, dass dies nicht gelingen wird. Aber manchmal sind 10000 Worte einfach nötig.

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